Schaulaufen um die Kampfjet-Milliarden hat begonnen

Anfang April begann mit dem Eurofighter das Schaulaufen der Kampfjet-Hersteller, welche der Schweiz einen neuen Kampfjet verkaufen wollen. Seit dem Rückzug von Saab stehen noch total vier Kampfjettypen zur Auswahl. Sowohl bei der Präsentation des Eurofighter wie auch des F35A war ich auf dem Militärflugplatz Payerne mit dabei und habe den Rüstungslobbyisten auf die Finger geschaut.

Um 7.30 gings los: Treffpunkt Bern, Bundeshaus Ost. Mit einem VBS-Bus wurden Medienschaffende auf den Militärflugplatz Payerne gefahren – ich habe mich als Vertreter der GSoA-Zitig angemeldet. Dort angekommen war klar, dass es sich nicht um einen unbedeutenden Wohlfühlanlass handelte, sondern um eine Veranstaltung, bei der es um etliche Milliarden Schweizer Franken ging. In Payerne begann sogleich die Präsentation des Eurofighter. Vertreter der Herstellerfirma und der deutschen Bundeswehr strichen die Vorteile ihres Kampfjets im Vergleich zu den anderen vier Kampfjettypen hervor. Dabei sprachen sie von maximaler «Transparenz», von einer «Win-Win-Situation für die Schweiz und Deutschland» und der fixfertigen technischen Entwicklung des Kampfjets, welche ohne Weiteres zur Lieferung bereitstehen würden. Im Anschluss an die PR-Präsentation wurde die Runde für Fragen der Medienschaffenden geöffnet. Auf meine Frage, ob das technische Problem, welches zum vorübergehenden Grounding von 124 der 128 Eurofighter der deutschen Bundeswehr geführt hatte, schon definitiv gelöst war, gab es dann aber trotz Transparenzversprechen nur eine verklausulierte Antwort. Auch wurde mit keinem Wort erwähnt, dass es beim Verkauf von Eurofighter-Jets an Österreich zu einem grossen Korruptionsskandal gekommen ist. Der frühere Verteidigungsminister von Österreich liess gegenüber der SRF-Tagesschau jedenfalls verlauten, dass er niemandem raten würde, Eurofighter zu kaufen.

Auch beim anderen Anlass, bei dem ich anwesend war, wurde meine Frage nicht beantwortet. Ich habe bei der Präsentation des amerikanischen Super-Kampfjets F35A gefragt, wie es sich die Verantwortlichen erklären, dass in einem US-Regierungsbericht steht, dass der überteuerte Kampfjets bei weitem nicht die geforderte Leistung erbringen würde. Eine Antwort auf diese Frage? Fehlanzeige.

Im Anschluss an die Präsentation wurden jeweils alle Anwesenden auf die Flugpisten gefahren, um den Start und die Landung der Kampfjets begutachten zu können. An beiden Anlässen, die beide jeweils über vier Stunden dauerten, wurde ein Thema aber nie angeschnitten: Die Kosten neuer Kampfjets für die Schweizer Bevölkerung. Und die sind immens: Mit Berücksichtigung der gesamten Lebensdauer neuer Jets ist mit Kosten in der Höhe von bis zu 18 Milliarden Franken zu rechnen – und gleichzeitig können wir uns anscheinend zwei Wochen Vaterschaftsurlaub nicht leisten. Da gibt es nur ein passendes Wort dafür: absurd.